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Neuer Biomarkertest ermöglicht erstmals frühzeitigen Nachweis von Alzheimer-Demenz im Blut

Erstellt am: 15.05.2009

Hennigsdorf, 15.05.2009. Eine kürzlich in der Fachzeitschrift Biological Psychiatry publizierte Studie belegt den Zusammenhang zwischen Veränderungen der Mikrozirkulation und der Alzheimer-Erkrankung. Mithilfe neuer Biomarker-Tests können diese Veränderungen gemessen und Alzheimer-Erkrankungen mit hoher Genauigkeit diagnostiziert werden. Durch die frühzeitige Diagnose können Therapiechancen deutlich verbessert werden.

Die Entstehung der Alzheimer-Demenz (AD) wurde schon länger mit Mikrogefäßveränderungen in Verbindung gebracht. Die B·R·A·H·M·S Aktiengesellschaft hat nun Testverfahren entwickelt, die im Blut die Konzentration der Biomarker MR-proANP (Midregionales Pro-Atriales-Natriuretisches-Peptid), MR-proADM (Midregionales Pro-Adrenomedullin) und CT-proET-1 (C-Terminales Pro-Endothelin 1) messen können.


Im Rahmen einer klinischen Studie, die das Diagnostikunternehmen in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Trinity College Dublin, durchgeführt hatte, wurde nun nachgewiesen, dass die Messung dieser drei Parameter frühzeitig Alzheimer-Erkrankungen diagnostizieren kann. Die Biomarker konzentrieren sich auf die Faktoren, die die Dilatation und Konstriktion des zerebralen Mikrogefäßsystems und somit die Hirndurchblutung steuern. Dies ist entscheidend, um das Gehirn mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen sowie toxische Substanzen aus dem Gehirn zu entfernen.


In dieser ersten großen Studie, an der 94 Patienten mit wahrscheinlicher Alzheimer-Demenz (AD) und 53 gesunde Kontrollprobanden teilnahmen, unterschied der neue Bluttest klinisch diagnostizierte Alzheimer-Demenz-Patienten von den gesunden Kontrollprobanden mit einer Genauigkeit von 81 Prozent. Die Ergebnisse legen nahe, dass systemisch gemessene Mikrogefäßveränderungen ein hochsensitives diagnostisches Werkzeug zur Früherkennung von Alzheimer-Demenz sein können. Das Manuskript, in dem über diese Ergebnisse berichtet wird, ist kürzlich in der angesehenen internationalen Fachzeitschrift Biological Psychiatry veröffentlicht worden.


Einer der entscheidenden Vorteile dieses Tests liegt darin, dass er auf für Allgemeinmediziner problemlos erhältlichen Blutproben basiert, was ihn zu einem leicht zugänglichen Screening-Werkzeug macht. Bislang verfügbare Biomarker mit guter klinischer Genauigkeit zum Nachweis von Alzheimer-Demenz basierten auf Rückenmarksflüssigkeit (Cerebrospinalflüssigkeit [CSF]) oder auf bildgebenden Verfahren einschließlich MRT oder PET, die für den Allgemeinmediziner relativ schwer zugänglich und teuer sind. Die Messung von CSF-Biomarkern sowie bildgebende Verfahren sind die bislang am besten validierten Methoden, die für die Frühdiagnose von Alzheimer-Demenz in Frage kommen, da sie selbst in vorklinischen Stadien, wie leichten kognitiven Beeinträchtigungen (Mild Cognitive Impairment [MCI]), eine hohe Sensitivität zeigen.
Biomarkertests auf der Basis von Blutuntersuchungen befinden sich noch in einem frühen Stadium der Entwicklung, werden jedoch im Routine-Screening zur Demenzprävention bereits als unverzichtbar für die Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung angesehen. Das neue Testverfahren ist ein vielversprechender Kandidat für ein Diagnosewerkzeug basierend auf Blutuntersuchungen und wird momentan in einer großen Studie zu leichten kognitiven Beeinträchtigungen (Mild Cognitive Impairment [MCI]) – einem klinischen Syndrom, das mit erhöhtem Alzheimer-Risiko zusammenhängt – getestet.



Hintergrund Alzheimer-Demenz:
Alzheimer-Demenz ist eine neurodegenerative Erkrankung, zu deren Ausbruch verschiedene ätiologische Faktoren und Mechanismen beitragen können. Gefäßveränderungen einschließlich Arteriosklerose, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck sowie Diabetes gehören zu den wesentlichen Risikofaktoren. Es wird vermutet, dass gefäßbedingte Risikofaktoren für mindestens 50 Prozent aller Fälle von Demenz ursächlich sind. Insbesondere Mikrogefäßveränderungen an der Blut-Hirn-Schranke sind mit der Entstehung der Alzheimer-Demenz in Verbindung gebracht worden. Die klinische Diagnose von Alzheimer stützt sich hauptsächlich auf den Ausschluss anderer Demenzursachen und ist trotz einer Vielzahl an Untersuchungsmethoden schwierig, langwierig und kostenintensiv. Mit absoluter Sicherheit kann erst eine histopathologische Untersuchung des Gehirns post mortem das Vorliegen einer Alzheimer-Demenz bestätigen. Des Weiteren erfolgt die Diagnosestellung häufig erst in einem späten Erkrankungsstadium. Dabei wäre gerade eine Diagnose während der präklinischen Phase äußerst sinnvoll. Diese zieht sich über einen Zeitraum von 10-40 Jahren und ist häufig nur von geringfügigen Symptomen begleitetet. Eine frühzeitige Behandlung könnte die Erfolge deutlich verbessern und ein Fortschreiten der Erkrankung verzögern.


In Deutschland leiden derzeit ca. 1,1 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung, ungefähr 600.000 davon an Alzheimer, der häufigsten Form der Demenz. Die Veränderungen der Altersstruktur in der Bevölkerung werden dazu führen, dass die Zahl der Erkrankten weiter steigt. Nach einer Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Bundesamtes können wir davon ausgehen, dass die Zahl der über 65-Jährigen bis 2050 um weitere 7 Millionen zunehmen wird. Da sich in dieser Altersgruppe mit 97 Prozent der weitaus größte Teil der Erkrankten befindet, geht man von einer Krankenzahl von mehr als 2,6 Millionen zu diesem Zeitpunkt aus.



Hintergrund Biomarker:
Das Atriale Natriuretische Peptid (ANP) wird hauptsächlich in den Vorhöfen des Herzens produziert und steht in Verbindung mit der Natriurese, der Diurese, der Gefäßerweiterung und der Regulierung des Herz-Kreislauf-Systems. Da das Peptid sehr instabil ist, misst der Test ein Fragment des entsprechenden Prohormons, das Midregionale-Pro-Atriale-Natriuretische-Peptid (MR-proANP), das als stabiler Surrogatmarker eine verlässliche Messung der Konzentration des Hormons zulässt.


Adrenomedullin (ADM) ist ein multifunktionales Peptid, das in einer Vielzahl von Geweben synthetisiert wird, u.a. dem Herzen und den Nieren. Es wirkt gefäßerweiternd und beeinflusst das Herz-Kreislauf-System, die Hormonsekretion und die Atmung. Da das reife Hormon ADM, ähnlich wie ANP, im Blut aufgrund seiner Instabilität nicht zuverlässig gemessen werden kann, detektiert dieser Test das midregionale Fragment des ADM-Vorläufermoleküls, Midregionales Pro-Adrenomedullin (MR-proADM) als stabiles Surrogat.


Endothelin-1 (ET-1) ist ebenfalls ein Peptidhormon, das aufgrund seiner gefäßverengenden Wirkung an der Regulierung des Blutdruckes als direkter Gegenspieler des ADM beteiligt ist. Der neue Test misst in diesem Fall ein C-terminales Fragment des ET-1-Vorläufermoleküls (CT-proET-1), das, ähnlich wie MR-proANP und MR-proADM, eine deutlich höhere Stabilität im Vergleich zum reifen ET-1-Hormon aufweist.


Hintergrund B·R·A·H·M·S:
Die B·R·A·H·M·S Aktiengesellschaft erforscht, entwickelt, produziert und vermarktet innovative Biomarkerdiagnostik. Sie gehört zu den drei größten Biotechnologie-Unternehmen in Deutschland. Über eigene Tochtergesellschaften und Vertriebsorganisationen sowie Laborsysteme aus eigener Produktion und von global agierenden Lizenznehmern vertreibt das Unternehmen seine Produkte in über 65 Ländern. Hauptsitz von B·R·A·H·M·S ist Hennigsdorf bei Berlin, wo das Unternehmen ca. 220 seiner weltweit 400 Mitarbeiter beschäftigt.



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